Die Inflation - Teil 1

Veröffentlicht von: Progress Austria am Donnerstag, August 17, 2017

Die stille Geldentwertung. In dieser Artikelserie werden wir historische und wissenschaftliche Fakten neben vertretenen Meinungen zum Thema der Inflation zusammentragen, gegenüberstellen und analysieren.

 

 


Traditionsunternehmen werden aufgekauft, Arbeitslose können sich Nächte in Luxushotels leisten, die breite Mittelschicht verliert an Kaufkraft und ein paar wenige gelangen zu großem Reichtum. All das war Realität, verursacht von der Ausartung der allbekannten Geldentwertung – die Hyperinflation.

Das Wort Inflation stammt aus dem lateinischem („inflare“) und bedeutet so viel wie „aufblasen“. Die sich im Umlauf befindliche Geldmenge wird künstlich erhöht, mit der Folge, dass Geld an Wert verliert und die Preise von Waren und Dienstleistungen steigen.  Man bekommt effektiv weniger für die selbe Menge an Geld.

 


„Inflation ist die Hölle der Gläubiger und das Paradies der Schuldner“ – André Kostolany

 


Die Geschichte der Inflation ist etwa genauso alt wie die Geschichte des Geldes. Hat man früher den Edelmetallgehalt von Münzen sukzessive verringert, so ist das bei Papiergeld wesentlich einfacher. Bereits im 9. Jahrhundert soll es in China Papiergeld gegeben haben und auch schon damals gab es die von Gläubigern gefürchtete und Schuldner bejubelte Inflation, denn damals wie heute gibt es einen großen Nutznießer – den Staat. Der Staat kann mithilfe der Inflation seine Schulden verschwinden lassen, indem diese einfach weniger wert sind. Als Konjunkturmotor beflügelt die Inflation zumeist eher kurzfristig die Wirtschaft, der Preis dafür ist der Vertrauensverlust in die Währung und das Risiko der Hyperinflation.

Im Wien der 20er Jahre können sich Menschen, die im Ausland wohl eher finanziell schlecht dastehen, wie in einem Einkaufsparadies fühlen. Arbeitslose Briten können mit ihrem Arbeitslosengeld in feinen Salzburger und Wiener Hotels zur Ruhe finden. Man konnte damals in Wien  nahezu umsonst leben – mihilfe von Derivaten, ausländischem Geld, dessen Wert den der österreichischen Krone binnen der zuvorkommenden Jahre radikal überragte. Immobilien und Luxuswaren gab es zum Diskontpreis. Viele ehemals wohlhabende Persönlichkeiten verarmten oder stürzten gar ins Elend. Doch es wurde auch eine neue Schicht nach oben katapultiert, die der „Inflationsgewinnler“. Rechtzeitig legten diese ihr Vermögen in sichere Anlagen oder auf ausländischen Konten in Fremdwährungen an. Die Bedeutendsten von ihnen waren Camillo Castiglioni und Sigmund Bosel.

Doch nicht nur nach Krisenzeiten gab es Hyperinflation. Um es zu veranschaulichen: In Simbabwe druckte im Jahr 2009 eine Werbeagentur ihre Flyer auf Banknoten – sie waren schlichtweg billiger als normales Papier.

 



--Fortsetzung folgt--



Quellen:

Georg Ransmayr – Der arme Trillionär, Wien 2016, Verlagsgruppe Styria

Hanno Beck/Urban Bacher/Marco Hermann – Inflation Die ersten zweitausend Jahre, Frankfurt am Main 2017, Frankfurter Allgemeine Buch


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