Ein Biotech-Diskurs als Anfang

Veröffentlicht von: Progress Austria am Montag, Februar 11, 2019

Autor: Alex Gfrerer


Ein wissenschaftlicher Durchbruch in der Größenordnung der Entdeckung der DNA oder des Penicillins; regelmäßig kommt es zu derartigen Vergleichen, wenn von der Entdeckung der Anwendung des CRISPR/Cas-Systems als biotechnologisches Tool die Rede ist. Dieser Forschungsdurchbruch gelang 2011 einer Arbeitsgruppe um Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna an der UC Berkeley. Seither sind in der Biotechnologie Dinge möglich, die bisher undenkbar waren oder zumindest zeitlich in weiter Ferne schienen. Designer-Babies, die genetische Ausschaltung verschiedener Erbkrankheiten, sowie die Züchtung trockenheits- oder schädlingsresistenter Nutzpflanzen sind damit nicht nur deutlich besser und effektiver machbar, sondern durch die einfache Handhabung der neuen Technologie wird auch der Personenkreis, der in der Lage ist, derart genetische Eingriffe durchzuführen, deutlich größer.

 

CRISPR/Cas steht dabei als bislang herausragendster Exponent stellvertretend für verschiedene Technologien, die unter dem Sammelbegriff Genome Editing zusammengefasst werden. Diese Tools verschaffen der Menschheit ungeahnte Möglichkeiten und sind in der Lage, das menschliche Leben und unsere Gesellschaft von Grund auf zu verändern, zum Positiven wie zum Negativen.

 

Die Entwicklung von, sowie die Forschung mithilfe solcher Technologien schreitet in den letzten Jahren rasant voran. Immer wieder werden neue Tools erfunden oder bestehende verbessert und immer neue Anwendungsfelder tun sich auf.

Im Gegensatz dazu sehr träge fällt hingegen die Reaktion der europäischen Politik und Gesetzebung aus: Die wesentlichsten, bald 2 Jahrzehnte alten Gentechnik-Regulierungen Europas, geben keine Klarheit darüber, wie mit den neuen Tools umgegangen werden soll. Nach Jahren der Rechtsunsicherheit entschied im Sommer 2018 der europäische Gerichtshof, dass mittels moderner biotechnologischer Verfahren hergestellte Pflanzen unter das strenge europäische Gentechnik-Regime fallen sollen. Eine Entscheidung, der wesentlich stärker politische Aspekte, als solche der Rechtsauslegung zugrunde liegen, die aufgrund der Untätigkeit des Gesetzgebers aber den Richtern überlassen war. Nachdem die ihre Aufgabe getan und eine rechtlich vertretbare Entscheidung gefällt haben, wäre es höchst an der Zeit ein neues und angemessenes Regelwerk zu schaffen, das den vorhandenen Risiken Rechnung trägt, aber gleichzeitig auch wissenschaftlichen wie industriellen Anwendungen einen sicheren Rahmen gibt, in diese zukunftsträchtigen Technologien zu investieren und sie weiterzuentwickeln.

 

Als wichtiger erster Schritt einer guten Gesetzgebung sollte in einer Demokratie immer der öffentliche Diskurs und fundierte Meinungsbildung stehen; das gilt ganz besonders, wenn in der Sache auf politischer Ebene Stillstand herrscht.

Debatten in Gang zu setzen und mit Informationen zu unterlegen ist daher das Ziel von [BIO] check. Wir sind eine Gruppe Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen, die sich schon länger mit Gentechnik beschäftigen und sich eine breitere, sachlichere Debatte in der Angelegenheit wünschen.

 


 


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