Themen

Willkommen beim Blog der Progress Austria

Graz goes smart

Progress Austria - Dienstag, April 04, 2017

Autor: Markus Huber, 

stv. Bezirksvorsitzender der Jungen Wirtschaft Graz, 

Studium Betriebswirtschaft, Karl-Franzens-Universität Graz



 Österreichweit die erste Smart City – die Stadt von morgen.

Smart City ist ein Begriff, der seit den 2000er Jahren von unterschiedlichen Akteuren in Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Stadtplanung verwendet wird, um technologiebasierte Veränderungen und Innovationen in urbanen Räumen zusammenzufassen. 

Die Idee der Smart City geht mit der Nutzbarmachung digitaler Technologien einher und stellt zugleich eine 
Reaktion auf die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen dar. Im Fokus stehen hierbei der Umgang mit Umweltverschmutzung, dem demographischen Wandel, Bevölkerungswachstum, Finanzkrise oder Ressourcenknappheit. Breiter gefasst, schließt der Begriff auch nicht-technische Innovationen mit ein, die zum besseren und nachhaltigeren Leben in der Stadt beitragen. 

Dazu gehören beispielsweise Konzepte des Teilens (Share Economy) oder zur Bürgerbeteiligung bei Großbauprojekten. Verschiedene Charakteristika wurden zum Zweck des Vergleichs von Städten im Bereich „Smartness“ definiert: Smart Economy (Wirtschaft), Smart People (Bevölkerung), Smart Governance (Verwaltung), Smart Mobility (Mobilität), Smart Environment (Umwelt) und Smart Living (Leben). Die Potentiale der Smart City entfalten sich erst im Rahmen eines kooperativen Beziehungsgeflechts zwischen Bürger, Stadtverwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Fundamentaler Bestandteil der Smart City ist eine besondere Form der Zivilgesellschaft. Die Bürger, die „Smart People“, werden als besonders kreativ, flexibel, sozial heterogen und vernetzt charakterisiert. 

Die Smart City und ihre Bevölkerung sind interdependent, das heißt, dass das Leben der Bewohner durch technische Innovationen einfacher und besser gestaltet wird, während die Bewohner die Stadt ihrerseits durch Eigeninitiative prägen. Hierzu gehören zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich sozial oder kreativ mit städtischem Raum auseinandersetzen, und politische Entscheidungsprozesse, an denen alle gesellschaftlichen Gruppen teilhaben und so Einfluss auf die Entwicklung ihrer Stadt nehmen können. Seinen Ursprung findet diese Form des politischen Denkens in den städteplanerischen Bewegungen des New Urbanism und Smart Growth. Eine breite Koalitionsbereitschaft sowie das Einbinden von vielen verschiedenen Akteuren sollen zu einer breit gestreuten Vielzahl von Themen führen. Grundsätzlich soll eine Entwicklung „von unten“ stattfinden. Obwohl die Öffentlichkeit in die informelle netzwerkartige Organisation vieler Steuerungsprozesse eingebunden wird, ist sie dennoch kein Entscheidungsträger.

International nehmen Städte wie London, Barcelona und Berlin Vorreiterrollen ein. Und auch die Europäische Union ist auf diesen Zug bereits aufgestiegen: Mit der Gründung einer Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) für Intelligente Städte und Gemeinschaften (“Smart Cities and Communities” - SCC) im Juli 2012 möchte die Europäische Kommission die Entwicklung und Implementierung intelligenter städtischer Technologien vorantreiben. Die Europäische Kommission schlägt vor, Forschungsmittel künftig besser koordiniert zu investieren, um im städtischen Raum Vorzeigeprojekte aus den Bereichen Energie, Verkehr und Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) zu fördern. Die Energie-, Verkehrs- und IKT-Industrien sind aufgefordert, mit den Städten zusammenzuarbeiten und ihre Technologien zu integrieren, um besser auf die Bedürfnisse der Städte einzugehen. 

Innovativen, integrierten und effizienten Technologien wird es somit ermöglicht, sich zu entfalten und den Markt zu durchdringen, während zugleich die Städte in das Zentrum dieser Innovation gerückt werden. Forschungsinvestitionen sollen sowohl von der Industrie als auch von der öffentlichen Hand kommen. Öffentliche Fördermittel sollen aus den Mitgliedsstaaten sowie aus den Programmen der Europäischen Kommission fließen. Mittel aus dem Forschungsrahmenprogramm (künftig: Horizon 2020) werden über jährliche Aufrufe zur Einreichung von Projektvorschlägen vergeben, davon alleine 365 Mio. Euro für das Jahr 2016. 

In Österreich geht Graz hier voran und will mit dem Smart City-Konzept die Stadt endgültig modernisieren und die Stadt lebenswerter für seine Bewohner machen. Im Jahr 2050 soll Graz mit „Vision Graz 2050“ die Vorzeigestadt in Österreich sein! Zwölf nationale und internationale Partner, darunter AVL List, TU Graz, Energie Graz oder die Holding Graz, bilden unter der Führung der Stadt Graz das Projektkonsortium und realisieren gemeinsam das erste österreichische Smart City-Leitprojekt. Neueste Energietechnologien wie zum Beispiel die Grätzel-Zelle oder Photovoltaik, sollen in den Bereichen Wohnen, Arbeit und Freizeit unser Leben neu gestalten und uns endgültig in die Moderne führen. 2013 wurde vom Grazer Gemeinderat, unter der Federführung von Bürgermeister Siegfried Nagl und der Grazer Volkspartei, die „Smart City“ im Stadtentwicklungskonzept als Grundsatz der Stadtentwicklung beschlossen. Als räumlich geeignet wurden zwei Gebiete in Graz in Betracht gezogen: Graz West, mit dem Umfeld der Waagner Biro Straße und den Reininghausgründen und Graz Süd. Für das Projekt in der Waagner Biro Straße wurden insgesamt 4,2 Millionen Euro an Fördermittel genehmigt, umfasst einen Quartierspark von über 12.000 m², schafft 1000 neue Arbeitsplätze und soll in Zukunft über 3000 Menschen einen neuen Wohnraum bieten. Insgesamt werden über 330 Millionen Euro in diesen Stadtteil investiert. Aushängeschild dieses Projektes soll der sogenannte „Science Tower“ sein. Dieser 60m hohe Turm soll nicht nur Wissenschaft & Forschung beherbergen, sondern soll selbst ein Forschungsobjekt für neue Gebäudetechnologien werden. 

Am ehemaligen Areal der Familie Reininghaus befindet sich das größte noch unbebaute Entwicklungsgebiet der Stadt Graz. Hier soll eine urbane, dichte und energieoptimierte Stadtentwicklung stattfinden. 
Wie wichtig dieses Projekt für die Stadt Graz ist, zeigt der einstimmige Gemeinderatsbeschluss von 2010, der als Grundlage für weitere Entwicklungen in diesem Bereich dient. Generelle Zielvorgaben für dieses Projekt sind unter anderem: die Schaffung einer möglichst kompakten Siedlungsstruktur, eine optimale Grünraumversorgung mit einem hohen Grünflächenanteil, attraktive Fuß- und Radwegverbindungen, eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr oder eine verkehrsberuhigte Quartierserschließung. Besonders herauszu streichen ist das Demoprojekt „Haus der Zukunft“. Der Zuschlag für dieses Projekt ging an die TU Graz. Konkret geht es um Häuser, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen, und die überschüssige Energie in das kommunale Energienetz einspeist. 

Auf jedem Fall darf man gespannt sein wie Graz es schafft, seinen Altstadtcharme, die gewohnte Lebensqualität und das herzliche Miteinander, das die Stadt zu dem machte, was sie heute ist, mit in die Moderne zu nehmen und all das zu bewahren, was die Stadt so lebenswert für Ihre Bewohner macht. Jedenfalls steht uns Grazern bautechnisch eine sehr spannende Zeit bevor und vielleicht schafft Graz es dieses Mal ja wieder eine Vorreiterrolle für ganz Österreich zu übernehmen. Zu wünschen wär es den Bewohnern dieser Stadt auf alle Fälle!

Comments
Der Beitrag hat keine Kommentare.
Post a Comment




Captcha Image

Trackback Link
http://www.progressaustria.eu/BlogRetrieve.aspx?BlogID=16140&PostID=764563&A=Trackback
Trackbacks
Der Beitrag hat keine Trackbacks.

© Jugendpolitische Thinktank Progress Austria 2016

© Progress Austria