Reisebericht Israel

Veröffentlicht von: Progress Austria am Dienstag, Dezember 17, 2019

 

 

Der Autor, Andreas Hörmann, besuchte Israel und darin bedeutende Destinationen. Bildhaft werden die Eindrücke geschildert, die von einem Land ausgehen, dass so reich an Traditionen und zugleich Innovationen ist und in vielen Widrigkeiten lediglich eine Triebfeder zur Weiterentwicklung sieht.

 

Wir starteten unseren Israel Aufenthalt mit einem abendlichen Spaziergang über die Strandpromenade in Tel Aviv. An diesem Strand wurden vor 110 Jahren parzellierte Grundstücke an die verschiedenen Gründerfamilien verlost und das Gebiet von Tel Aviv – was soviel wie „Frühlingshügel“ bedeutet – stellte zu dieser Zeit weitgehend noch unbesiedeltes Wüstengebiet dar. Mittlerweile gilt die Stadt heute als wirtschaftliches und gesellschaftliches Zentrum von Israel.

 

Mit dem Eintritt der Dunkelheit endete auch gleich der Sabbat, also der Ruhetag, an dem keine Arbeit verrichtet werden soll und an dem keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren. Dies ist ein Umstand, den man bei der Planung einer Israel Reise jedenfalls berücksichtigen solle.

Nach einem ersten Kennenlernen der (unbeschreiblich guten) Küche und (doch gehobenen) Preise und einem Hintergrundgespräch mit einer in Tel Aviv wohnhaften Datenanalystin und Mathematikerin, die uns mit Insider-Tipps versorgte, gingen wir an unserem ersten Tag früh ins Hotel, um für den nächsten Tag fit zu sein.

"In Haifa wird gearbeitet, in Jerusalem gebetet und in Tel Aviv gefeiert", besagt ein israelisches Sprichwort. Unser zweiter Tag war schließlich dem betenden Jerusalem gewidmet, in welches wir mit einem Shuttle-Service fuhren.

Nach einer kurzen Führung durch das israelische Parlament - welches im Hinblick auf Transparenz und Bürgerbeteiligung den meisten mir bekannten europäischen Parlamenten inklusive dem österreichischen deutlich voraus ist – ging es weiter nach Yad Vashem, der weltweit bedeutendsten Gedenkstätte, die an die nationalsozialistische Judenvernichtung erinnert und sie auch wissenschaftlich dokumentiert. Die unglaubliche Fülle an Dokumentationsmaterial und der Umstand, dass hier auf den einzelnen Menschen, dessen Schicksal, Träume und Hoffnungen abgestellt wird, machte den Besuch weitaus intensiver und bedrückender, als ich es mir im Vorhinein vorgestellt hatte.

 

Die darauffolgende Fahrt im Shuttle Bus habe ich dann den Versuch unternommen, den gewaltigen Umfang der Verbrechen zu verarbeiten – ein aussichtsloses Unterfangen. Am Nachmittag statteten wir dann dem Österreichischen Hospiz mitten in der Jerusalemer Altstadt einen Besuch ab. Das Hospiz, welches in der k. u. k. Zeit erbaut wurde und bei welchem es sich entgegen der ersten Vermutung mehr oder minder um ein Gästehaus handelt, ermöglicht nicht nur den Genuss von gewohnt österreichischen Gerichten, wie zB einer Sachertorte, sondern auf seinem Dach auch einen unbeschreiblichen Ausblick über die Altstadt von Jerusalem samt einer gehissten Österreich-Fahne, sohin auch ein perfektes Fotomotiv.

 

Beim darauffolgenden Schlendern durch die Jerusalemer Altstadt hat sich der Eindruck der „betenden Stadt“ noch einmal verdichtet. Kein Wunder, stellt die Stadt doch mit der christlichen Grabeskirche, der jüdischen Westmauer und dem islamischen Felsendom für drei Weltreligionen einen absoluten Hotspot dar.

Die verbleibenden zweieinhalb Tage verbrachten wir dann in Tel Aviv, wobei besonders der Montag ganz im Zeichen der Entdeckung Israels als Start-Up Nation stand. Der Startup Gedanke ist fest in den Köpfen Israels verankert, dies zeigte sich sowohl bei einer Tour durch das „Center for Israeli Innovation“ bei der Börse wie auch beim im Stadtteil Jaffa gelegenen „Peres Center for Peace and Innovation“.

 

Der kontinuierliche Ausnahmezustand, in dem sich das Land befindet, die positive lebensbejahende Mentalität, bei der Fehler nicht als Schwäche oder Misserfolg angesehen werden, sondern nur als weiterer Schritt in Richtung Erfolg, schließlich wohl aber auch der Stellenwert von intellektueller Konfrontation und dem offenen Austragen von Meinungsverschiedenheiten, der tief in der jüdischen Religion verankert ist, stellen die optimale Grundlage dafür dar, weshalb sich dieses Land zur Start Up Nation schlechthin entwickeln konnte. In keinem anderen Land gibt es so viele junge Unternehmen pro Kopf wie hier. Bei einer Fläche, die nur knapp über jener von Niederösterreich liegt, finden sich nämlich mehr als 6000 Start Ups.

 

Bei der am gleichen Tag Stadtführung durch Tel Aviv lernten wir dann auch noch einiges über die Geschichte und Architektur dieser beeindruckenden Stadt. Wir beendeten den Montag schließlich damit, uns auch vom Ruf als Partymetropole- also dem feiernden Tel Aviv - überzeugen zu lassen. Man gesteht ja vielen Nationen Gastfreundschaft zu, aber ich bin noch nirgends so schnell und ungekünstelt mit Einheimischen ins Gespräch gekommen wie in Tel Aviv. Die Stadt lebt, pulsiert und man spürt das an jeder Stelle.

An unserem letzten vollen Tag, dem Dienstag, bekamen wir dann noch einen groben Einblick in die Aufgaben und Arbeitsweise der „Bank of Israel“ bevor wir schließlich ein israelisches Start Up besuchten und zwar die am Rothschild Blvd befindliche „Jolt Business School“, wo sich die bereits gewonnen Eindrücke noch einmal bestätigten. An unserem letzten Nachmittag besuchten wir den Carmel Market, den größten Obst- und Gemüsemarkt in Tel Aviv, bei dem sich auch dutzende Imbisse, kleine Lokale und Cafés finden. Hier besorgte ich noch ein paar Mitbringsel und überzeugte mich noch einmal von der unglaublich guten Kulinarik dieses Landes.

 

Israel ist ein Schmelztiegel von Religionen und Sprachen, ein vielfältiges Land, das sich in keine Schublade packen lässt. Erst nach dem Ende unseres Aufenthaltes erinnerte ich mich an die Frage, die mir von vielen Seiten im Vorfeld gestellt wurde: „Ist das nicht gefährlich? Machst du dir keine Sorgen?“ Um ehrlich zu sein habe ich mir während des gesamten Aufenthaltes keine Gedanken mehr über diese Frage gemacht, dafür galt es einfach viel zu viel zu erleben.



Progress Austria

Progress Austria

© Jugendpolitische Thinktank Progress Austria 2016

© Progress Austria